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Kommentare von Bürger*innen auf den Fragebögen

29. 04. 2020

Auf den Fragebögen haben einige Bad Boller*innen Kommentare und Verbesserungsvorschläge notiert, die wir hier zusammengefasst wiedergeben möchten.


Das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs wurde häufig kommentiert. Viele wünschen sich mehr Busverbindungen, vor allem in Richtung Kirchheim und zum Flughafen, aber auch Querverbindungen im Landkreis ohne Umsteigen in Göppingen werden angesprochen. Auch eine Reaktivierung der Bahnlinie mit Weiterführung nach Kirchheim wird von vielen unterstützt. Die Bustickets werden von vielen als zu teuer empfunden. Dabei sind vermutlich vor allem Einzeltickets z. B. nach Göppingen gemeint.


Bei den Preisen zeichnet sich schon eine Lösung ab, denn ab dem 1. Januar 2021 ist auch der Busverkehr im Landkreis Göppingen Teil des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS), der deutlich günstigere Ticketpreise anbietet. Nach heutigem Stand würde ein Einzelticket von Bad Boll nach Göppingen 2,60 €€kosten statt wie heute 4,10 €.


Manche wünschen sich speziell einen kostengünstigen innerörtlichen Busverkehr in Bad Boll.


Auch das wird es ab 2021 geben: Ein Kurzstreckenticket (bis zur dritten Haltestelle nach dem Einstieg) im VVS kostet 1,50 €.


Für den Busfahrplan der Linie 33 wird eine engere Taktung gewünscht und eine zusätzliche Verbindung der Linie 20 um 7:20h nach Göppingen. Für verspätete Busfahren wird konkret vorgeschlagen, dass Busfahrer miteinander kommunizieren, um ein Umsteigen zu ermöglichen.


Auch der Ausbau der Fahrradinfrastruktur wird mehrfach als Wunsch angesprochen. Dazu gehört ein durchgängiges Netz von sicher zu befahrenden Fahrradwegen und mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sowie eine Pedelec-Ausleihstation in Bad Boll. Auf der anderen Seite werden die Kosten für den Bau eines Radparkhauses am Kurhaus von einem Befragten kritisiert, ein anderer Teilnehmer der Befragung meint, das Radparkhaus mache nur Sinn in Verbindung mit einer Pedelec-Ausleihstation.


Die Bushaltestelle am Kurhaus muss aufgrund gesetzlicher Vorgaben barrierefrei umgestaltet werden. Im Zuge dieser Planungen wird das Buswartehäuschen frei und kann mit dem Radparkhaus einer neuen Nutzung zugeführt werden. Die Kosten des Umbaus werden im Rahmen des Projekts gemeinsamweiterkommen vom Bundesverkehrsministerium mit 40.000 Euro gefördert, so dass sich die Kosten für die Gemeinde in Grenzen halten. Ein Abriss hätte auch Geld gekostet. Eine Pedelec-Verleihstation ist eine gute Idee, die wir gerne weiterverfolgen.


Sicherheit spielt für die Befragten nicht nur im Zusammenhang mit Fahrradwegen eine wichtige Rolle, sondern auch für Fußgänger*innen. Vor allem Schulwege sind in Bad Boll nach Ansicht einiger Beobachter*innen nicht sicher genug. Als Gefahrenquellen konkret benannt werden falsch parkende, rückwärts ausparkende und zu schnell fahrende Autos. Ein Verbesserungsvorschlag lautet, die Zufahrt zur Schule für Autos zu sperren. Ein weiterer Vorschlag möchte Fahrrad- und Fußgängerwege trennen. Darüber werden abgesenkte Bürgersteige und besser beleuchtete Fußgängerüberwege gewünscht.


Das Thema Parken bewegt viele Menschen in Bad Boll, aber die Meinungen dazu gehen weit auseinander. Die meisten Kommentare sprechen sich dafür aus, die Parkplätze in der Ortsmitte beizubehalten oder sogar mehr Parkmöglichkeiten einzurichten. Einige weisen darauf hin, dass die Geschäfte Parkmöglichkeiten brauchen, um überleben zu können. Einige äußern sich auch kritisch zum Thema Parkgebühren. Ein Argument lautet, dass die Menschen auf dem Land nicht gewohnt sind, für das Parken zu bezahlen. Andere sehen parkende Autos eher kritisch, sowohl in der Ortsmitte, als auch entlang viel befahrener Straßen. Es werden auch konkrete Vorschläge gemacht, z. B. Parkplätze genauer zu markieren, eine durchgängige Parkscheibenregelung einzuführen und die Einhaltung von Parkierungsregeln zu kontrollieren.


Einige Befragte machen Vorschläge für eine attraktivere Ortsmitte: Fußgängerzone und Sperrung für den Autoverkehr, stattdessen mehr Sitzmöglichkeiten, mehr Grün und weniger Lärm. Lieferdienste mit Lastenrädern könnten den Transport durch Autos ersetzen.


Sehr kontrovers diskutieren die Bad Boller*innen mögliche Einschränkungen für den Pkw-Verkehr. Manche wünschen sich weniger Durchgangsverkehr durch den Ort, mehrfach genannt wurde die viel befahrene L1214 durch Sehningen. Tempo 30 in allen Nebenstraßen oder sogar ortsweit können sich auch viele gut vorstellen. Einige wünschen sich weniger Verkehrslärm und mehr Geschwindigkeitskontrollen durch „Blitzer“, z. B. in der Hauptstraße, bei der Sparkasse oder an der Kirche. Manche sprechen sich für einen ausgewogenen Mix aller Verkehrsträger aus und denken, dass das Auto auf dem Land oder für ältere Menschen unverzichtbar ist und das auch bleiben wird.


Das Thema Elektromobilität spielt in den Kommentaren eine untergeordnete Rolle. Nur vereinzelt werden mehr Ladepunkte angeregt. Einzelne Meinungen sind grundsätzlich kritisch gegenüber der Elektromobilität eingestellt, beziehen sich dabei aber nicht auf die Bad Boller Situation.


Vereinzelt wünschen sich die Befragten ein CarSharing-Angebot. Gelobt wird das Bürgerauto „Lorenz“.


Manche Bad Boller*innen beobachten das Verkehrsverhalten ihrer Mitbürger*innen und äußern sich kritisch, wenn das Auto für kurze Wege genutzt wird, statt auf Fahrrad oder die eigenen Füße umzusteigen. Auch das „Eltern-Taxi“ zur Schule oder zur KiTa wird mehrfach kritisiert.


Es gibt viele Stimmen, die durchaus zufrieden sind mit der derzeitigen Situation der Mobilität in Bad Boll. Manche meinen, dass es auch darauf ankommt, wie zentral man in Bad Boll wohnt. So wird z. B. ein spezielles Konzept für Eckwälden vorgeschlagen.
Viele Bürger*innen denken beim Thema Mobilität auch an Probleme, die über die Gemeindegrenzen von Bad Boll hinausreichen: Klimaschutz, Verlust von wertvollen Böden für den Bau von Straßen und Radwegen, Fahrverbote und Abwrackprämien beschäftigen die Menschen.


Kritische Stimmen zur Befragung selbst gab es auch dieses Mal, wenn auch weniger als zur ersten Befragung vor einem Jahr. Manchen fiel es schwer, Ihre Wahrnehmung der Mobilitätskultur in Bad Boll zu beschreiben, sie hätten lieber Fragen zum eigenen Verhalten beantwortet. Manche halten die Befragung für unwissenschaftlich, weil "„Wischi-Waschi"“ abgefragt werde.


Die eigene Meinung kennen wir natürlich besser als die der anderen, insofern können wir die Skepsis verstehen. Aber das „"Wischi-Waschi"“ ist gewollt: Es kommt in der Studie der FH Bielefeld nicht darauf an, ob Ihre Einschätzungen zur Meinung und zum Verhalten der Menschen in Bad Boll korrekt sind. Wir möchten vielmehr wissen, welche Vorstellungen Sie von der Mobilitätskultur und dem Mobilitätsverhalten in Ihrem Umfeld haben. Denn unser Verhalten wird stark durch soziale Normen beeinflusst, also dadurch, wie wir das Verhalten der anderen in unserem Umfeld wahrnehmen. Psychologische Studien zeigen, dass soziale Normen unser Verhalten sogar mehr beeinflussen als Informationen, Anreize oder Appelle.


Eine Kritik spekuliert, dass diese Befragung womöglich so oft durchgeführt werden soll, bis das Ergebnis widerspruchsfrei ist.


Dass wir die gleiche Befragung mehrfach durchführen, hat allerdings einen ganz anderen Hintergrund: Wir möchten wissen, ob sich etwas in den Einschätzungen der Bad Boller während der Projektlaufzeit verändert. Und das tut es! Lesen Sie dazu den Bericht von Philipp Rollin von der FH Bielefeld.

 

Wir werden Sie in einem Jahr voraussichtlich noch ein drittes Mal fragen! Wir wissen, das ist viel verlangt und wir schätzen die hohe Beteiligung an unseren Befragungen deshalb umso mehr! Dank Ihrer Geduld und Ihrer Bereitschaft, uns über Ihre Wahrnehmung Auskunft zu geben, ist es möglich, die Wirkungen eines Projekts wie gemeinsamweiterkommen nach wissenschaftlichen Standards zu evaluieren. Dies geschieht nämlich leider sehr selten. Viele Nachhaltigkeitsprojekte werden abgeschlossen, ohne dass am Ende klar ist, ob sie ihre Ziele auch wirklich erreichen oder auch nur auf dem richtigen Weg sind. Unsere Ergebnisse können Ermutigung sein für andere Gemeinden und Projekte.