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Geschichten

Viel lieber sitze ich im Zug

Dieser Erfahrungsbericht war eine Reaktion auf einen Artikel zum Thema nachhaltige Mobilität in SYM, dem Magazin der Evangelischen Akademie Bad Boll. Die Leiterin eines Tagungshauses auf der Schwäbischen Alb teilt darin ihre Erfahrungen zum Weg zur Arbeit:


Ihr Thema sprach mich an!
Ich bin Jahrgang 1967, und hatte mein erstes Auto, da war ich bereits verheiratet und hatte 1 Kind. Meine Mutter hatte keinen Führerschein und konnte uns nicht „omanander kutschiera“. Mein Vater ging morgens um 4 aus dem Haus (mit dem Rad), er arbeitete als Briefträger bei der Post. Das Auto stand also oft ungenutzt in der Garage. Ab Teenageralter entdeckte ich das Zugfahren für mich, ich fand es immer SEHR ungerecht, dass Kids von Vätern, die bei der Eisenbahn angestellt waren, gratis durch ganz Europa Zugfahren durften, ich aber nicht mal 2 Briefmarken pro Monat gratis bekommen habe (geschweige denn auf der Poststelle gratis telefonieren durfte…).
Wie dem auch sei, ich kenne zumindest auch ein Leben ohne Auto.
Über 25 Jahre habe ich im Ausland gelebt, davon die meiste Zeit in Frankreich. Mit meinem französischen Mann sind wir berufsbedingt viel umgezogen, und bei allen Umzügen stand ein Kriterium im Vordergrund: Wir wollen kein 2. Auto anschaffen müssen. Also war der Radius, um ein Haus o. Wohnung zu mieten, immer bestimmt durch „kommt zumindest einer der beiden mit dem Rad zur Arbeit? Oder zur Not mit den öffentlichen?“ (in Frankreich vor 25 Jahren gar nicht so einfach, wenn man nicht in Paris lebt)!
Aber wir haben es geschafft, wir hatten immer nur ein Auto - obwohl beide berufstätig.
Und oft brauchten wir das Auto bloß abends, um unsere Tochter mit schwerem Instrument zum Musikunterricht zu fahren…
Heute noch bewege ich mich auf Dienstreisen vorzugweise mit der Bahn. Seit 2018 lebe ich wieder in Deutschland und arbeite idyllisch auf der Schwäb. Alb. Zweimal haben mich Seminare und Fortbildungen schon zur Akademie nach Bad Boll geführt, und es kam für mich nur ein Fortbewegungsmittel in Frage: die Bahn! Von Frommern (meinem Wohnort) ist es zwar eine Herausforderung und man muss früh aufstehn, aber wer sagt mir, dass ich mit dem Auto nicht im Stau stehen würde? Einmal, als ich in Löwenstein zur Tagung war, kam die Referentin mit dem Auto viel zu spät (Unfall auf der Autobahn!) währenddessen ich gemütlich im Sessel saß und auf sie wartete.
Klar hat der Zug auch mal Verspätung, aber viel lieber sitz ich im Zug oder auf dem Bahnhof und warte, als im Auto!
Nun, seit ich auf 900 m Höhe im Haus Bittenhalde arbeite, habe ich – leider leider, das Auto für mich entdeckt! Die öffentlichen sind sehr begrenzt, und mit dem Rad geht es halt eine Stunde den Berg hoch. ABER (und jetzt kommt´s), seit „Corona-Zeiten“ habe ich mir fest vorgenommen, 2x pro Woche mit dem Rad hochzufahren, und es klappt! Inzwischen bin ich auch viel fitter und es fängt an, Spass zu machen.
Natürlich könnte ich auf Pedelec umsteigen, aber man hat ja so seinen Ehrgeiz! Noch schaffe ich es ohne Strom.
Die Familientradition scheint sich fortzusetzen, meine Kids sind inzwischen 21 und 24, keiner von beiden hat den Führerschein: „brauch ich nicht!“
Mit freundlichem Gruß
Claudia Haasis
Dipl. Verw.wiss., Leiterin

Evangelische Tagungsstätte Haus Bittenhalde
72469 Meßstetten-Tieringen

 

Pünktlich, aber zu teuer

Ich habe mich der Challenge „eine Woche ohne Auto“ gestellt. Ich komme aus Ebersbach, und hier gibt es die Buslinie 924: direkt von Ebersbach nach Bad Boll. Ich hatte die Busverbindung Anfang 2019 einmal ausprobiert und diese grundsätzlich als gut, aber für Einzelfahrten zu teuer empfunden. Im Rahmen dieser Challenge sollte man eine Woche ohne Auto auskommen, und hier lohnt sich dann die Wochenkarte.

Der Bus fährt nur stündlich, d.h. ich muss zu einer bestimmten Zeit an der Bushaltestelle sein, sonst fährt der Bus ohne mich. Alternativ könnte man auch mit dem Zug nach Göppingen und dann mit dem Bus nach Bad Boll fahren. Dies ist allerdings eine Zone mehr, man muss einmal umsteigen und es besteht die Gefahr, dass der Zug Verspätung hat. Dies habe ich einmal ausprobiert, und prompt ist der Verspätungsfall eingetreten… Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln benötige ich von meiner Haustür zum Arbeitsplatz 1 Stunde und damit doppelt so viel Zeit als mit dem Auto. Ich muss auf die Fahrzeiten des Busses achten und mich zeitlich danach richten. Dafür habe ich aber Bewegung durch den Fußweg zum Bus und in die WALA bzw. dann auch wieder nach Hause. Und ich kann die Zeit im Bus nutzen: zum Lesen, nachdenken oder meine Umgebung bewusst wahrnehmen (auch wenn man sich bei manch anwesendem Schüler wünscht, dass man die Umgebung ausblenden könnte). Der Bus war meist leer, außer man fährt zu Zeiten in denen auch Schüler unterwegs sind (und auch hier hält sich die Schülerzahl in Grenzen). Der Bus war immer pünktlich. Ich würde mir aber wünschen, dass der öffentliche Nahverkehr (Filsland) günstiger wäre. Mit einer Einzelfahrkarte zahlt man für die Verbindung Ebersbach - Bad Boll für die Hin- und Rückfahrt 10 EUR. Das ist meines Erachtens zu viel und, sofern man ein Auto hat, keine Option die für die öffentlichen Verkehrsmittel spricht. Aber ich finde gut, dass es das Angebot gibt. Und damit dieses Angebot bestehen bleibt sollte man es auch nutzen. Jeden Tag mit dem Bus zu fahren kann ich mir nicht vorstellen, aber vielleicht einmal pro Woche. Das ist gut machbar und im Kleinen auch schon ein Beitrag für die Umwelt. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die WALA, dass sie die Tickets für den öffentlichen Nahverkehr erstattet. Und Danke an die Initiative „Gemeinsam weiterkommen“ für das Ausrufen dieser Challenge!

 

Melanie Staiger, Mitarbeiterin der WALA

Fastenzeit - Gelegenheit, neue Wege zu gehen

Fastenzeit ist auch eine Gelegenheit auf Gewohntes zu verzichten und etwas Neues auszuprobieren. 7 Wochen ohne Zigaretten, Fleisch, Alkohol, warum nicht auch mal das Auto stehen lassen, zu Fuß zu gehen, mit dem Rad die Brötchen zu holen oder den Bus nach Göppingen zu nehmen, vielleicht dann sogar mit dem Zug nach Stuttgart.

Etwa 25 Jahre ist es her, dass die damalige Carsharing Organisation „Dorfmobil Bad Boll“ zusammen mit der Ev. Kirchengemeinde in Bad Boll, sich zusammengetan haben, um einmal anders als üblich zu fasten. Unter dem Motto "Mobil ohne Auto" versuchten 10 Bad Boller Bürgerinnen und Bürger, darunter auch der Gemeindepfarrer, sieben Wochen ohne PKW auszukommen. zu Fuß zu gehen, Fahrrad, Bus oder Bahn zu nutzen. Wöchentliche Treffen wie auch die Berichte beim Abschlussgottesdienst haben gezeigt, dass diese Art zu fasten nicht einfach ist, aber auch sehr viele neue positive Erfahrungen vermittelt.

  • "Zu Hause wurde mehr als sonst abgewogen, ob Wünsche nach Ausflügen oder Essengehen nicht auch vor Ort realisiert werden könnten. Und siehe, es hat sogar mehr Spaß gemacht als Familie durchs verschneite Boll zu gehen und sich nicht auf eine mögliche Rutschpartie mit dem Auto einzulassen."

  • "Erstaunt war ich, wie viel man mit dem Fahrrad einkaufen kann, auf dem Gepäckträger in Seitentaschen oder zur Not noch mit einem Rucksack. Wenn ich die Fastenaktion halbwegs durchhalte, belohne ich mich zu Ostern mit einem Fahrradanhänger."

  • Eine interessante Erfahrung machte der ebenfalls beteiligte Pfarrer. Er führte selten so spontan gute Gespräche, unterwegs zu Fuß oder mit dem Rad, oder mit Konfirmanden, die er nun im Bus traf und die zuerst dachten, ihr Pfarrer hätte seinen Führerschein verloren. In einer Hinsicht aber war der Pfarrer froh, nach Abschluss der Aktion Autofasten hin und wieder auch mal hinter dem Steuer seines Autos zu sitzen, weil er zu Fuß oder etwas weniger mit dem Fahrrad nicht ohne kurze oder auch längere Gespräche nicht durch den Ort kam, was ihm dann manchmal die gewohnte Terminplanung durcheinanderbrachte. Hinter der "Weltschutzscheibe" eines PKW ist ein kurzes Winken ausreichend. Niemand erwartet ein Anhalten. Zu Fuß sieht dies dann schon anders aus. Gemeindearbeit müsste neu definiert werden.

Ein Projekt, dass wiederholt werden könnte. Jetzt ist wieder Fastenzeit.

JK

Meine Woche ohne Auto

Den Arbeitsweg testweise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen, wollte ich schon länger ausprobieren und da kam die Challenge „Eine Woche ohne Auto“ wie gerufen. Jetzt war ich motiviert und beschloss in der Woche vom 02.03-07.03. die Deutsche Bahn und den anschließenden Filsland-Bus unter die Lupe zu nehmen.

 

Zum Glück führen viele Wege nach Rom bzw. Bad Boll, sodass ich mich für den Umstieg von Zug auf Bus zwischen Göppingen und Ebersbach entscheiden konnte. Der Weg über Ebersbach ist für mich deutlich angenehmer, da man hier weniger Wartezeit hat. Das hat jedoch zur Konsequenz, dass jede Verzögerung etwas Panik in mir aufsteigen ließ. Dennoch hatte ich eine sehr gute Woche, es waren so gut wie keine Verspätungen zu verbuchen, sodass ich meine Anschlüsse immer bekommen habe.

 

Das Schöne an der Woche war, ich konnte viel mehr lesen, schon während der Heimfahrt meine Emails checken oder auch einfach nur andere Fahrgäste und das Geschehen außerhalb beobachten und meinen Gedanken freien Lauf lassen, da ich mich nicht auf den Verkehr konzentrieren musste.

 

Doch nicht alles war positiv. Zum einen war ich deutlich länger unterwegs. Obwohl ich zur selben Zeit aufgestanden bin, war ich ganze 40 Minuten später in der Arbeit und auch zur selben Zeit habe ich Feierabend gemacht und hatte gerade so meine acht Stunden plus Pause vollgekriegt. Jede Verlängerung der Pause hat sich gleich als Minus in meinem Zeit-Konto niedergeschlagen, da man nicht eben geschwind noch 15 Minuten länger dranhängen konnte, da der Bus nur einmal die Stunde fährt. So war für mich immer die Frage, ob ich nun die Minusstunden in Kauf oder den späteren Bus nehme und dementsprechend noch später zu Hause bin. Ich habe mich für die Minusstunden entschieden. Das war aber nur möglich, weil ich flexible Arbeitszeiten habe.

 

Ich würde mir eine häufigere Taktung dieser Verbindung wünschen, jedoch kann ich auch verstehen, dass in einem eher ländlichen Gebiet die Nachfrage nicht so groß ist. Im Großen und Ganzen kann ich diese Verbindung aber empfehlen, und zur Not kann man auch über Göppingen fahren. Als alltäglichen Arbeitsweg kann ich mir das nicht vorstellen, da es doch mehr Zeit in Anspruch nimmt, aber ab und zu das Auto stehen lassen werde ich auch in Zukunft.

 

Tatjana Getmann, Mitarbeiterin der WALA

Bus und Bahn - eine Chance, anders gemeinsam weiterzukommen

Es liegt schon ein paar Wochen zurück. Mit mir ist an der Haltestelle Ev. Akademie-Reha- Klinik ein junges syrisches Pärchen eingestiegen. Alle drei wollten wir zum Göppinger Busbahnhof, ich dann weiter nach Stuttgart mit der Bahn. Ich kannte die beiden flüchtig aus der Bad Boller Asylarbeit. Wir begrüßten uns und setzten uns an einen 4er Platz und unterhielten uns anregend über ihre Erfahrungen im Deutschkurs, mit dem Job-Center und über die Situation in ihrer Heimat. Für uns drei war die Fahrt nach Göppingen wie im Flug vorbei. Wie es der Zufall wollte, trafen wir uns einen Tag später erneut, diesmal am Göppinger Busbahnhof mit Fahrtrichtung Bad Boll. Wieder unterhielten wir uns sehr anregend, hin und wieder überwandte ich meine Scheu und korrigierte leicht ihr sonst schon sehr gutes Deutsch. Beim Austeigen fragten mich die beiden, wann ich denn wieder mit dem Bus unterwegs wäre, sie fänden es toll, die Fahrzeit über ihre Sprachkenntnisse zu üben und zu verbessern, denn untereinander würden sie nur Arabisch sprechen. Ich musste sie enttäuschen, dass ich nicht regelmäßig die Strecke fahre aber mich auch freuen würde, wenn wir uns wieder zufällig begegnen.

Für mich ist so die Benutzung des ÖPNV alles andere als mühsam oder eine ökologische Pflichterfüllung. Öffentlich fahren ist für mich Begegnungszeit, Lesezeit, Arbeitszeit oder Zeit für Blicke aus dem Fenster oder für ein Nickerchen, was hinter dem Steuer tödlich wäre.

JK

Ihr Text

Challenge angenommen: Erste Erfahrungen

Hier der erste Erfahrungsbericht aus der Challenge "Eine Woche ohne Auto":

Üblicherweise ist es, dank Gleitzeit für mich möglich, den Morgen flexibel zu gestalten. Die Schlummertaste noch einmal drücken oder doch aus dem kuschelig warmen Bett schälen? Auf ein paar Minuten hin oder her kommt es nicht an, denn das Auto fährt nicht ohne mich zur Arbeit. Als ich aber zur Autofrei-Challenge angetreten bin, musste ich jeden Tag pünktlich zehn Minuten nach der vollen Stunde an der Bushaltestelle stehen, andernfalls fährt der Bus nämlich sehr wohl ohne mich zur Arbeit und sein Nachfolger kommt erst eine Stunde später. Für die 14 km von Haustür zum Bürostuhl benötige ich ca. 15 Minuten, wenn ich den PKW nutze. Während der Autofrei-Challenge waren es ca. 40 Minuten. Auch die Rückfahrt kann nur stündlich erfolgen, sodass ein flexibler Arbeitstag von Vorteil ist.

Eine Busfahrt die ist lustig – sagt man. Wenn man es nicht schafft aus Roßwälden um 06:10 Uhr zu flüchten, steht um 07:10 Uhr ein Pulk SchülerInnen etwa im Alter von 8 – 14 Jahren an der Haltestelle und erinnert einen an den Grund der verworfenen eigenen Kinderwünsche. Inklusive der Menge bereits mitgereister Teenies im Bus, fehlt es nicht an Beschallung und einer außergewöhnlichen Mischung diverser Gerüche. Nachdem die Horde drei Stationen weiter ihren restlichen Weg zur Schule per Pedes aufgenommen hat, kehrt Ruhe, Platz und frische Luft im Bus ein.

Hin- und Rückfahrt können selbstverständlich genutzt werden, um ein Buch zu lesen, E-Mails zu beantworten oder mit Musik zu entspannen und sind mit einem Wochenticket zu 42,00 € beliebig oft wählbar. Schmunzelnd schaue ich dem Busfahrer zu, wie er sich über Mitmenschen ärgert, die sich im Straßenverkehr nicht adäquat zu verhalten wissen und bin froh, heute mal nicht selbst in der Lage zu sein. Überhaupt kann man den Blick mal vom Verkehr abschweifen lassen und entdeckt Dinge auf dem täglichen Weg zur Arbeit, wie farbenfrohe Hausfassaden oder ansprechende Restaurants, an denen man sonst, unter konzentrierter Einhaltung der StVO, nur vorbeifährt.

Aus der Challenge ziehe ich den Schluss, fortan häufig den Bus um 06:10 Uhr zu nehmen, wenn ich das Bett rechtzeitig verlassen konnte, was einem geregelteren Rhythmus und dem Umweltschutz nur zuträglich sein kann. Für die Zukunft wünsche ich mir eine halbstündliche Anbindung und höhere Subventionen der Fahrpreise.

 

Sascha Grüner

42 Minuten Urlaub jeden Tag

Seit 17 Jahren fahre ich jeden Tag mit dem Rad von Jebenhausen nach Bad Boll zur Arbeit. Ein anderes Verkehrsmittel kann ich mir nicht vorstellen. Mitleidig blicke ich immer wieder auf die armen Autofahrer in ihren Blechkisten, mit der falschen Vorstellung von Freiheit. Ich erlebe das Wetter, ich höre die Vögel zwitschern, ich sehe Wildtiere ebenso wie die Sonne aufgehen. Das sind 25 Minuten Urlaub vor und 17 Minuten (es geht bergab) Urlaub nach der Arbeit - und zwar kostenlos. Naja fast, denn ein gutes Rad kostet ebenso, wie ordentliche Kleidung. Meine besten Ideen für die Arbeit fallen mir auf dem Rad ein. Und ehrlich, schlechtes Wetter gab es nie!

 

Thomas Schnell

FahrradUrlaub
Der Transformations-Fahrplan

Seit über 2 Jahren fahre ich elektrisch. Die Mitbürger stellen mir meist sehr interessiert Fragen, zum Teil sieht man ihnen aber auch den Missmut an, wenn ich lautlos aufkreuze. Die Frage nach der "Reichweite" kommt immer als erste. Manchmal - sorry - bin ich etwas gelangweilt und sage: "Na, mindestens 200.000 km". Was denken aber wohl die anderen, die kritisch dreinschauen und keine Fragen stellen? Ich kann es nur vermuten, denn es geistern ja eine Menge schräge Ansichten und Vorurteile herum. Auch Fakten kann man in den falschen Hals bekommen. So lautet z. B. ein vorwurfsvoller Kommentar: "Für eine Tonne Lithium braucht man 3 Millionen Liter Wasser!". "Ja, das stimmt", antworte ich, "und für ein Kilo Rindfleisch nur 15.000 Liter." Im Gehirn der Person gegenüber (kein Veganer) rattert es ... dann Schweigen.

 

Ich will ja niemanden verärgern oder überfordern und bleibe meist höflich. Dabei gäbe es viel Aufregendes zu erzählen über "Energiewende" und "Sektorenkopplung". Die meisten Menschen verstehen darunter Politikfelder oder andere abstrakte Dinge. Dabei sollten sich alle - so wie man sich täglich über die Herkunft und Nachhaltigkeit des Essens unterhält - auch einmal über die Energie Gedanken machen, die man Tag und Nacht benötigt. Dann fallen einem die vielen unschönen Abhängigkeiten sowie das Unwissen über die Herkunft und Entstehung von Energie auf.

 

So ein Elektroauto muss natürlich mit regenerativem Strom fahren, das ist ja der Sinn. Ich kenne auch keinen E-Auto-Fahrer, der nicht komplett Ökostrom bezieht! Wie die meisten "E-Mobilisten" betrachten wir das Auto nur als einen Teil unseres familiären "Transformations-Fahrplans". Jetzt, wo die alten Ölheizung schon Geschichte ist und sich eine PV-Anlage mit Eigennutzung auf dem Dach befindet, sind der batterieelektrische Pkw und stetige Verbesserungen der Gebäudehülle aus unserer Sicht die nächsten Schritte, aber auch noch lange nicht die letzten. Bis 2040 muss ja alles klimaneutral sein! Zumindest wir als Bürger eines wohlhabenden OECD-Staates sind dies schuldig!

 

Und dabei zählt aus meiner Sicht Vielfalt. Jeder lebt in einer anderen Situation und in einem anderen "Setting". Entsprechend vielfältig sind die "Transformations-Fahrpläne". Abwarten auf die nachhaltig biologische "Eier legende Wollmilchsau" zählt jedoch nicht! Wir müssen jetzt tun was wir können und das ist mehr als wir denken.

 

Was ist denn das konkrete Ergebnis bei uns? Pro Jahr wurden früher ca. 3.500 Heizöl verbrannt. Nach Umstellung auf die neue effiziente Heizung waren es dann 5.000 kg Holzpellets. Bis heute konnten wir es durch weitere Maßnahmen auf ca. 4.000 kg Holzpellets reduzieren, Ziel bis 2025 wären 3.000 kg. Eingespart wurden zusätzlich ca. 800 Liter Diesel, die früher mit dem Pkw verfahren wurden. Durch die PV-Anlage wurde auch für den nötigen Ausbau der Erneuerbaren gesorgt. Wenn der Fahrstrom für den Pkw vom nicht selbst verbrauchten, eingespeisten Strom abgezogen wird, bleibt rein rechnerisch pro Jahr immer noch ein Überschuss. Interessant finde ich auch, dass der Solarstrom an einem sonnigen Februartag bereits (rechnerisch, in Summe) ausreicht, um für das Haus ("Komfortstrom") und den Weg zur Arbeit (Elektroauto) genügend Strom zu haben.

Als alle schon dachten, der Frühling sei da ...

... war eigentlich noch Februar.

 

Und da kam Sturm "Sabine".

 

Am Montagmorgen überlege ich, ob ich unseren Zweitwagen vermisse. Ja, in solchen Fällen irgendwie doch. Schließlich muss ich zwei Kinder unversehrt zur Schule bzw. in den Kindergarten bringen. Normalerweise, sprich seither IMMER, fahren wir mit dem Fahrrad. Das fällt heute aber flach, im wahrsten Sinne des Wortes. Also los, zu Fuß, mit den Fahrradhelmen auf dem Kopf - schließlich müssen wir an ein paar Bäumen vorbei. Sieht bestimmt total bescheuert aus, aber ich bin ja Vorbild, und so richtig lächerlich komm ich mir erst vor, als die Kinder abgeliefert sind und der Sturm nur noch als laues Lüftchen daherkommt. Tja, Klimaschutz braucht Mut. Auch modisch.

 

Als wir am nächsten Morgen dann doch wieder mit dem Rad unterwegs sind, und uns der Wind den Graupelschauer ins Gesicht fitzt, bin ich ganz bei den offenbar vor allem skandinavischen Entwicklungspsychologen: Kinder sollen Herausforderungen auch ganz physischer Art meistern, dürfen und sollen gerne an ihre Grenzen kommen. Und ja, wir schätzen diese kleinen Abenteuer! Wir sind echt stolz auf uns!

 

Also heißt es zumindest für uns auch in Zukunft, auch und gerade im Alltag: Raus aus der Komfortzone!

 

Sabine und ihre Kumpels sorgen schon dafür.

 

Eine Mitarbeiterin der Evangelischen Akademie Bad Boll

Zusammen ist einfacher als allein

Wir haben uns im Rahmen der WALA-Aktionstage "Umwelt und Arbeitssicherheit" bei der Aktion "Ich mach mit! Ich werde aktiv für den Klimaschutz" vorgenommen, neben der täglichen Fahrgemeinschaft von Stuttgart zur WALA, einmal in der Woche komplett mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.

 

Eine Fahrt dauert komplett mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen 1,5 - 2 Stunden. Daher haben wir uns überlegt, die Fahrten zu splitten. Wir lassen also abends das Auto stehen und fahren mit dem Zug nach Hause und kommen  am nächsten Morgen wieder mit dem Zug. Das Auto steht gut und sicher über Nacht bei der WALA.

 

Die Fahrt dauert zwar länger, wir haben die Zeit gedoch gefühlt mehr für uns und können schon einmal die Dinge erledigen, die wir ansonsten erst zu Hause machen. Lesen, E-Mails beantworten, Urlaubspläne schmieden ...

 

Als Tipp: Nicht über Göppingen fahren, sondern über Ebersbach!

 

Unser Fahrplan abends:

 

  • 16:12 Uhr: Bus 924 von Ev. Akademie/Reha-Klink nach Ebersbach
  • 17:02 Uhr: Zug von Ebersbach nach Stuttgart Hbf
  • 17:28 Uhr: Ankunft am Stuttgarter Hbf

 

Unser Fahrplan morgens:

 

  • 06:29 Uhr: Zug von Stuttgart Hbf nach Ebersbach
  • 07:04 Uhr: Bus 924 von Ebersbach zur Ev. Akademie
  • 07:36 Uhr: Ankunft an Ev. Akademie

 

Zwei treue zusammenfahrende Mitarbeiterinnen der WALA

Wie ein Holländer

Was bei den Autos der aktuelle Trend, ist bei Fahrrädern schon lange in: Mal ehrlich, fahren Sie auch mit Stollenreifen durch den Kleinstadt-Dschungel? Mountainbike, MTB, ATB etc., je mehr Zahnkränze und Scheibenbremsen desto besser. Und breite Reifen - man weiß ja nie, ob man sich auf einen Schotterweg verirrt. Wobei: Wenn das Ding keinen Motor und Akku hat, ist es dann nicht schon wieder out?

 

Vor drei Monaten habe ich ein uraltes Fahrrad "abgestaubt". Keine Gangschaltung, sonst alles dran. Draufsteigen und einfach losfahren. Mal eben zum Bäcker oder eine andere Besorgung machen, eine Abendveranstaltung besuchen, egal: Alle kleinen Wege am Ort werden ab sofort mit diesem Fahrrad absolviert.

 

Die Einfachheit hat mir die Augen geöffnet: Ein solches Fahrrad gehört vor die Tür oder an einen Ort, wo es immer griff- und fahrbereit ist! Ebenso ist es mit der Wetterjacke, Mütze und Co.!

 

Ich vergleiche: Das Auto steht immer fahrbereit in der Garage. Elektrisches Garagentor geöffnet, Auto per Knopfdruck entriegelt, schon kann ich vom Hof fahren. Mein teures Rad (ATB) steht hinter (!) dem Auto in der Garage. Da muss ich es hervorbugsieren, ohne das wertvolle Blech zu berühren. Der Garagendrücker liegt im Auto. Also nochmal zurück ins Haus und den Taster betätigen. Ah, jetzt hätte ich fast den Fahrradschlüssel vergessen, noch einmal ins Haus ...

 

Erschreckend, wie meine private Infrastruktur auf das Auto ausgerichtet ist. Ich schaue mich um in der Nachbarschaft: Überall moderne Garagen mit Torantrieben. Wo stehen wohl die Fahrräder?

 

Ich schüttle verständnislos den Kopf, schwinge mich auf's Rad und rolle voller Gelassenheit los, wie ein Holländer!

 

Ein Mitarbeiter der WALA

Hollaender
"... Da flog sie, o Pardon, auf dem Besenstiel davon ..."

So musikalisch kann es bei Fahrgemeinschaften zugehen, wenn noch ein Kind mit an Bord ist ...

 

Wir haben uns im Rahmen der WALA-Aktionstage "Umwelt und Arbeitssicherheit" bei der Aktion "Ich mach mit! Ich werde aktiv für den Klimaschutz" vorgenommen, mindestens einmal die Woche gemeinsam in einer Fahrgemeinschaft zur WALA zu fahren.

 

Hat es funktioniert?

 

Ja, sehr gut, besser als erwartet - und wir finde es total gut. Es klappt sogar oft zweimal die Woche. Bedenken waren zuvor, als Teilzeitkraft und Mutter noch unflexibler zu werden, die Kollegin einzuschränken oder wegen alltäglich unplanbarer Zwischenfälle warten zu lassen. Durch kurzfristige Rücksprachen sind die Fahrten jedoch gut planbar - in der Not reicht ein kurzer Anruf und wir bleiben flexibel.

 

Pro Fahrt (Hin- und Rückweg ca. 25 km) sparen wir 4,41 kg CO2.

 

Zur besseren Veranschaulichung:

Ein Liter CO2 wiegt 1,96 Gramm, daraus folgt, dass ein Kilogramm CO2 ein Volumen von 509 Litern hat. Ein handelsüblicher, aufgeblasener Luftballon hat ein Volumen von ca. 2,5 Litern. Mit einem Kilogramm CO2 könnte man also knapp 204 Luftballons füllen.

 

Somit können wir mit unserem eingesparten CO2 (Hin- und Rückweg) ca. 900 Luftballons füllen.

 

Zwei Mitarbeiterinnen der WALA

Luftballons
Mit neuen Augen

Zu Fuß unterwegs in Köln. Ein älterer Mann spricht uns an, ob wir etwas zu diesem imposanten Baum zu sagen wüssten. Er sei Kölner und hätte vor kurzem altersbedingt das Autofahren aufgeben müssen. Seitdem sehe er seine Stadt mit neuen Augen, weil er die Stadt zu Fuß ganz anders erlebe als im Auto. Er war ganz begeistert von den Entdeckungen, die er jetzt immer wieder macht: "Jetzt lebe ich schon so lange in dieser Stadt und sehe diesen schönen Baum zum ersten Mal!"

 

Carmen Ketterl

Baumkrone_jo